Hatha-Yoga — wenn Körper, Geist und Seele sich vereinen
Die Entwicklung des Yoga boomt. Heute praktizieren mindestens drei Millionen Deutsche (davon sind etwa 80% Frauen – das gibt es sonst in keinem Land!) Yoga der unterschiedlichsten Stilrichtungen. Und es werden ständig mehr: mehr Yoga-Praktizierende und mehr »Yoga-Arten«.

Hatha Yoga Übungen mit Traute Steen vom Praxis- und Seminarhaus in Lübeck
Doch was ist Yoga überhaupt?
Um den Werdegang des Yoga und seinen Weg von Indien nach Westeuropa deutlich zu machen, informiere ich Sie von einigen Grundzügen der indischen und der westlichen Yoga-Geschichte.
Yoga im alten Indien meinte zunächst etwas ganz Praktisches: das Anbinden
oder Anschirren von Zugtieren (Ochsen etc.) vor einen Wagen.
Das deutsche Wort „Joch“ ist mit dem indischen Wort „Yoga“ eng
verwandt. Wenn man Zugtiere vor einen Wagen oder Pflug spannt, dann vereint
sich etwas: Die Tiere, die vorher für sich waren, werden miteinander
verbunden – Kräfte bündeln sich und werden vereint. Andererseits
bekommt der Fuhrmann mit dem Joch und Geschirr auch die Kontrolle über
die Tiere. Es findet so eine Lenkung der vereinten Kraft der Tiere statt.
Hier zeigen sich zwei wesentliche Elemente des Yoga-Weges:
Yoga vereint etwas miteinander und Yoga
erlaubt eine Kontrolle der „Antriebskräfte“,
damit das „Fahrzeug“ mit gebündelter Kraft in eine gute
Richtung fahren kann. Hier wird auch die Tiefe des Bildes sichtbar, das die
Weisen des alten Indien erkannten:
Der menschliche Körper ist das Fahrzeug der Seele bzw. des Selbst, und die menschlichen Sinne sind zunächst wie wilde Tiere. Sie wollen gebündelt, kontrolliert und gelenkt werden, damit der Mensch zur Selbst-Verwirklichung und zum Selbst-Bewusstsein gelangen kann. Somit ist das Ziel die Befreiung des Menschen vom Leid (duhkha). Dieses Ziel wurde bereits in den Upanisaden etwa 900 v. Ch. benannt.
In der indischen Kulturgeschichte entwickelten sich seither etliche unterschiedliche Yoga-Traditionen. In Indien vereinte sich der Yoga bei seiner langen Entwicklung mit verschiedensten Geistesströmungen. Es blieb das Bewusstsein erhalten, dass Yoga vor allem eine weltanschauliche, neutrale Methode ist. Das Festhalten an bestimmten Inhalten, das die westliche Kulturtradition geprägt und oft intolerant gemacht hat, hatte bei den Indern keine Bedeutung.

Hatha Yoga Kurs mit Traute Steen im Praxis- und Seminarhaus in Lübeck
Wichtige Prinzipien des indischen Yoga
- Yoga lebt aus der Praxis für die Praxis. Anders formuliert: Die eigene Erfahrung des Übenden wird zum wesentlichen Kriterium für das Weiterkommen auf dem Weg. Hier zeigt sich die Toleranz des Yoga-Systems, die auch im Westen geschätzt wird.
- Yoga wird von Lehrenden an Lernende weitergegeben. Yoga-Lehrende, die in dieser authentischen Yoga-Tradition lehren, bieten den Lernenden eine kompetente Betreuung und begleiten sie bei der korrekten Anwendung der gelehrten Techniken. Und sie lassen jedem Lernenden die Freiheit, eigene Erfahrungen zu machen.
- Erfahrene Yoga-Praxis bringt Klarheit in der Methodik und dem Blick auf die gewünschten Ziele. Die Systematik im Aufbau und der Stufenfolge des Yoga-Weges ist schon erkennbar im „achtgliedrigen“ Yoga-Pfad des Patanjali.
Yoga-Pfad
Etwa um die Zeitenwende entstanden die knapp 200 Yogasutren (Merk-Verse) des Patanjali, die auch im Westen wegen ihrer Dichte und Stringenz geschätzt werden. Im zweiten Kapitel der Sutren präsentiert Patanjali den so genannten achtgliedrigen Yoga-Pfad, der bis heute als Essenz des „klassischen Yoga“ angesehen wird.
- yama (allgemeine Regeln)
- niyama (besondere Regeln)
- asana (Sitz-Haltung/Körper-Haltung)
- pranayama (Atem-Lenkung/Atem-Achtsamkeit)
- pratyahara (Zurückziehen der Sinne)
- dharana (Konzentration)
- dhyana (Meditation, Versenkung)
- samadhi (Eins-Sein)
Dieser Yoga-Pfad zeigt den Weg des Yoga mit dem Ziel, glücklich und in Frieden zu leben und daraus die Kraft für die Herausforderungen des Alltags zu schöpfen.
Yoga und Hatha-Yoga in Mitteleuropa
Im Jahre 1893 hielt Svami Vivekananda in Chicago als Vertreter des Hinduismus beim „Weltparlament der Religionen“ eine Rede. Er sprach von der indischen Yoga-Tradition und den vielfältigen Erfahrungen und Möglichkeiten. Er wurde so zum Wegbereiter des Yoga im Westen. Er reiste durch die USA, hielt Vorträge und führte so viele westliche Sucher zum Yoga.
Besonders der Hatha-Yoga (wörtlich: Yoga der Kraft/des Impulses), der sich neben den ursprünglichen Yoga-Traditionen seit dem 13./14. Jahrhundert in Indien etabliert hatte, spricht die Menschen im Westen an. Beim Hatha-Yoga wird der Körper nicht nur als eine stoffliche Hülle oder ein bloßes Werkzeug betrachtet, sondern als eine wunderbare Möglichkeit, das Leben durch sinnliche Erfahrungen zu bereichern. Im Hatha-Yoga entwickelten sich viele Körperhaltungen (asana), die wir heute im Westen kennen und schätzen. Hatha-Yoga gibt den Lernenden Raum, ihre eigenen Erfahrungen zu sammeln und ihren Weg nach den eigenen Möglichkeiten zu gehen.
Yoga bedeutet heute für die allermeisten Menschen in Mitteleuropa zunächst eines: Körperübungen, Atempraktiken und Entspannung. Doch Yoga ist mehr! Yoga mit all seiner Fülle gelebt, bedeutet darüber hinaus auch, die geistigen Wurzeln des Ursprungs sichtbar und fühlbar werden lassen.
Die indische Geschichte lehrt uns ein ganzheitlich wirkendes, multidimensionales Yoga-System. Wird Yoga mit seiner Fülle ganzheitlich gelebt, vereinen sich Körper, Seele und Geist. Wer Yoga mit all seinen Möglichkeiten und Angeboten ganzheitlich lebt, wird den Unterschied zu anderen „Bewegungsangeboten“ wohltuend spüren!
Seien Sie also willkommen beim Hatha-Yoga! Ich lade Sie ein, Ihre eigenen Erfahrungen mit dieser wundervollen Methode zu sammeln.
Hatha-Yoga-Klassik in Lübeck
im Praxis- und Seminarhaus Traute Steen in Lübeck mit
Traute Steen
- Yoga-Lehrende SKA
Astrid Körnig
- Yoga-Lehrende SKA